Russischer Banjabesuch und überraschende Begegnung in den Bergen Kirgisistans!

Zurück von Almaty hatten wir noch einige Punkte auf unserer Liste, die wir unbedingt machen wollten. Einer davon war ein russischer Banjabesuch mit meinen Kollegen. Meine Kollegen wollten uns eine echte "sowjetische Banja"zeigen. Entchen und ich wollten natürlich unsere Badesachen mitnehmen, weil wir uns ein bisschen was anderes vorgestellt hatten... Ich meinte noch so zu ihr: "Nene, da werden wir net nackt sein, also vor meinen Arbeitskollegen machen wir das echt net..."
Naja, unsere Vorstellung war weit gefehlt! Denn so lief es wirklich in der sowjetischen Banja ab:

1. Man bekommt einen Spint zugewiesen mit passender und nummerierter Waschschüssel
2. Danach bekommt man einen Bettbezug mit Blümchenmuster in die Hand gedrückt
3. Man zieht sich komplett aus und wirft sich den Bettbezug um den Körper
4. Dazu dürfen rosarote Schlappen nicht fehlen!
5. Man geht in den Waschraum, lässt die nummerierte Schüssel voll Wasser laufen und legt als Unterlage eine Plastiktüte auf die Bank
6. Man setzt sich auf seinem mit der Plastiktüte drapierten Platz und fängt an, sich aus der Schüssel heraus zu waschen, wie man es bei uns etwa vor 50 Jahren gemacht hat....

Danach sind wir erstmal in die Sauna und haben uns mit Zweigen abklopfen lassen... Das ist so eine Art Besen, an denen Zweigen mit Blättern hängen. In der Sauna haben dann meine Arbeitskollegen alles aus uns rausgeklopft, was nur ging...! Am Anfang war uns das natürlich noch mega unangenehm, aber spätestens, nachdem uns meine Arbeitskollegen zur "Rubbelfrau" geschickt haben verschwindet jeglicher Scham wie von selbst!

Die Rubbelfrau muss man sich so vorstellen: In der Ecke von dem Waschraum liegt eine Pritsche, daneben steht eine stämmige, dicke Frau mit fetten Oberarmen und mit so einer Art "Schmiergelwaschlappen" in der Hand. Du musst dich auf die Liege liegen und die Rubbelfrau rubbelt jegliche abgestorbene Haut aus dir raus, was nur geht. Von allen Seiten und in allen Positionen. Dazwischen kippt sie immer mal wieder Wasser aus deiner nummerierten Schüssel auf dich. Das darf ma echt keinen zeigen, mit welchen Verrenkungen wir da nackt auf dieser Liege lagen und die Frau uns fast zu Tode gerubbelt hat!!!

Nach dieser Erfahrung mussten wir alle erstmal was trinken (verständlich!)
Unsere Kollegin hatte ne Flasche Wodka dabei und die wurde dann in 2 Etappen getrunken. Dazu musste natürlich auch gegessen werden (obwohl ich ca. 3x gesagt habe, dass ich wirklich gar keinen Hunger habe, das wurde nämlich eiskalt ignoriert!)
Als wir nach der ersten Saufetappe wieder in die Sauna sind, haben wir es erstaunlicherweise viel länger ausgehalten!
Spint mit nummerierten Schüsseln



Wir mit unseren Bettbezügen
Original sowjetischer Waschraum. Ich glaube vor 40 Jahren sah es genauso aus wie heute!

Kombination extreme Hitze + Wodka soll angeblich extrem gut sein (laut meinen Arbeitskollegen, jedoch keine Gewähr!)




Wir mit dem Schlagbesen

Insgesamt eine äußerst interessante Erfahrung und nach der Behandlung der Rubbelfrau war unsere Haut weich wie Babypopo! Wir mussten neidlos anerkennen, dass wir uns all die Jahre in Deutschland wohl nicht richtig gewaschen haben.... Meine Arbeitskollegin meinte, dass sie normalerweise 6 Stunden in so einer Banja verbringt, wir waren "nur" 3 Stunden...
In dieser Nacht haben wir geschlafen wie ein Stein!

Doch das nächste Abenteuer wartete schon auf uns...
Es ging zusammen mit zwei anderen deutschen Freiwilligen aus meinem Programm ab ins Supara. Das ist eine Art Ferien- und Freizeitanlage mit Übernachtungsmöglichkeit in den Bergen Kirgisiens, ca. 30 min Fahrtweg entfernt. Ich wollte Entchen unbedingt die Berge zeigen, da sie einfach das Wahrzeichen des Landes sind! Dabei war das Supara ein lohnendes Ziel, da es in den Bergen ist, aber trotzdem nicht allzu weit weg von Bischkek. Gesagt, getan:

Auf dem Weg einer Schafsherde ausgewichen

Felsen in allen möglichen Farben


In diesen Jurten am Felshang kann man übernachten


Während wir auf unser Essen warten, kommt plötzlich eine kleine Gruppe wichtig aussehender Menschen in unser Restaurant nimmt gegenüber von unserem Tisch Platz. Ich meine noch so, dass es leider überall diese neureichen Oligarchen gibt, bis uns auffällt: Das ist STEVEN SEAGAL, der Hollywoodschauspieler!!!!!! Wir waren natürlich platt! Wenn ich in den Bergen von Kirgisistan etwas nicht erwarte, dann ist es einen Hollywoodschauspieler beim Essen zu treffen!
Beweisfoto:


Danach sind wir noch Pferd geritten, für Entchen eine sehr abenteuerliche Erfahrung!




Die aufregendste Nacht hatten wir jedoch an Entchens letzten Abend. Wir sind wie immer mit dem Taxi von unserem Hotel in die Stadt gefahren. Der Taxifahrer war wie immer sehr neugierig und fand es total toll, dass wir aus Deutschland hier in Bischkek sind und hatte wie immer Deutsch in der Schule gehabt und konnte noch ein paar Brocken mit uns Deutsch reden. 
Wir hatten uns mit Marius und Jessy in einer Bar mit Livemusik verabredet. Als unser treuer Begleiter verfielen wir mal wieder dem Wodka und tanzten bis in die Nacht. 




Dann ging es an die Heimfahrt. Jessys Familie wohnt etwas außerhalb von der Stadt und da es neben unserem Zimmer noch ein Zimmer gab, das nie abgeschlossen und frei war, hatten wir die Schnapsidee, dass Jessy doch einfach heimlich dort übernachten könnte.... Als wir zu dritt heimlich ins Hotel reingeschlichen sind, war das Zimmer tatsächlich geöffnet und Jessy legte sich ins gemachte Nest. Wir gingen nebenan dann auch zufrieden schlafen... Bis wir plötzlich von Stimmen geweckt worden gegen 6 Uhr morgens... Wir dachten uns nur so: SCHEIßEEEEE!!!!! Lagen kerzengrad im Bett und lauschten. Tatsächlich checkten gerade an diesem Morgen zwei Kerle in das Zimmer nebenan ein, in dem Jessy schlief! Sie hatte von innen zugesperrt und die Rezeptionsdame verstand nicht so richtig warum es plötzlich zu war. Während sie den Schlüssel holte richtete Jessy ihr Bett in Windeseile so hin, wie sie es vorfand und versuchte sich im Gemeinschaftsbad zu verstecken. Als die Dame zurückkam wunderte sie sich, dass das Zimmer plötzlich geöffnet war und noch mehr wunderte sie sich, dass im Gemeinschaftsbad eine Deutsche war. Jessy tat so, als wäre sie eine von uns und die Rezeptionsdame hatte unsere Gesichter wohl auch nicht mehr so gut in Erinnerung, dass sie sich damit zufrieden gab. 
Wir bekamen von alledem nichts mit und dachten uns nur so: Hoffentlich klopft die Rezeptionistin nicht an unsere Tür.. Kurze Zeit später klopft es. Uns blieb fast das Herz stehen und wir stellten uns schlafend. Es klopfte immer krasser und sie rüttelte förmlich an die Tür, was man selbst im Tiefschlaf nicht überhören konnte... Irgendwann blieb uns nichts anderes übrig als die Tür zu öffnen... und.... Jessy kam zum Vorschein!!!! Wir dachten, es wäre die Rezeptionistin, dabei stand Jessy 20 min vor unserer Tür und wollte unbedingt, dass wir sie reinlassen!!! Das war ein Erlebnis sag ich euch!

Am nächsten Tag musste ich mich schweren Herzens von Entchen verabschieden. Ich brachte sie zum Flughafen und sie flog mit viel tollen Erlebnissen und das Land und die Leute in toller Erinnerung wieder zurück nach Deutschland.
Ich vermisse dich Entchen, du fehlst mir und meinen Kollegen sehr hier! 😢

Im nächsten Eintrag geht es um eine kirgisische Hochzeit, wo ich zu Gast war. Ein weiteres, sehr spannendes Erlebnis in meinem Kirgisistan-Abenteuer 😉


Liebe Grüße
Lena

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